Data is the new oil.
Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda hat es auf den Punkt gebracht: Data is the new oil.
Daten sind zu einem grundlegenden Rohstoff des Wirtschaftslebens aber auch weit darüber hinaus geworden. Fortschritte im sogenannten Data-Mining und der Datenanalyse einerseits und den massiven Anstieg von Rechenleistung und Speicherkapazität haben den Wert und Umfang der zur Verfügung stehenden Informationen für Unternehmen, Verwaltung und Privatpersonen um ein Vielfaches gesteigert.
Datenklasse statt Datenmasse
Und das wirkt sich auch im Gesundheitswesen aus, denn bei der Anamnese, Diagnose und Therapie geht es immer auch um die relevanten Patientendaten und diese müssen ausgetauscht und vor allem auch analysiert und interpretiert werden. Eine aktuelle Studie des Economist hat ergeben, dass über 88 % der befragten Verantwortlichen aus den Bereichen Gesundheit, Pharma und Lifesciences der Meinung sind, dass heute nicht mehr die Menge der Daten entscheidend ist, sondern vielmehr die Datenanalyse und die Möglichkeit zur Reaktion in Echtzeit.
Mitte August 2012 hat sich die Bundesregierung auf das Krebsfrüherkennungs- und –registergesetz verständigt. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, dass die Länder flächendeckend klinische Krebsregister einrichten. Diese Register sollen Daten über das Auftreten, die Behandlung und den Verlauf von Krebserkrankungen in der ambulanten und stationären Versorgung erfassen und auswerten. Diese Analyse ist kein Selbstzweck, sondern soll die Qualität der onkologischen Versorgung in allen Behandlungsphasen sektorenübergreifend darstellen, bewerten und verbessern helfen. Ein neuer Anwendungsfall für Datenanalyse im Gesundheitswesen. Aber nicht der einzige.
Pro Patient entstehen Datenmangen im Terabyte-Bereich
Einige Kliniken sind auch in Deutschland schon weit. So etwa die Berliner Charité, wo High Tech Lösungen die Erkenntnisse über Tumor-Physiognomie und Medikamentenwirkstoffe verbessern und Krebsbehandlungen gezielter auf Patienten und Krebsarten abzustimmen und so die Heilungschancen verbessern. Wenn künftig Tumorzellgenome sämtlicher Krebspatienten entschlüsselt und untersucht werden, um individuelle Therapien zu ermöglichen, entstehen pro Patient Datenmengen im Terabyte-Bereich, die möglichst in Echtzeit nach den relevanten Mutationsinformationen durchsucht und analysiert werden müssen.
Neben Kliniken setzen auch Krankenversicherungen vermehrt auf Healthcare Analytics und Big Data-Anwendungen. Mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz werden zum ersten Januar 2009 der Gesundheitsfond der Gesetzlichen Krankenkassen eingeführt und der Risikostrukturausgleich zwischen den Krankenkassen berücksichtigt stärker als bisher den Krankheitszustand der Versicherten (sogenannte Mobiditätsorientierung, daher auch kurz Morbi-RSA) Krankheitsrisiken werden anhand von 80 ausgewählten Krankheitsgruppen direkt über pseudonymisierte stationäre und ambulante Diagnosen berücksichtigt und Arzneimitteldaten werden zur zuverlässigen Absicherung ambulanter Diagnosen verwendet. Auch hierbei entstehen enorme Datenmengen, die transparent und gleichzeitig konform zu den Vorgaben des Datenschutzes erfasst und analysiert werden müssen.
Noch keine Big-Data-Kultur im Gesundheitswesen – BITKOM vermittelt zwischen Branchen
Dies sind wichtige Trends, die die künftigen Entwicklungen im Gesundheitswesen prägen werden. Dennoch hat der Economist 2012 festgestellt, dass über 70 % der befragten Verantwortlichen aus den Sektoren Gesundheit, Pharma und Lifesciences eine „Big-Data-Kultur“ im Gesundheitswesen vermissen. Hier möchte BITKOM als Sprachrohr der IT- und Telekommunikationsindustrie zwischen den Branchen vermitteln.
Am 15. Oktober werden im Rahmen der ersten Healthcare Analytics Konferenz namhafte Referenten und Experten aus Krankenkassen, Kliniken, Wissenschaft und Wirtschaft in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften die Potentiale und Herausforderungen von Big Data für den Gesundheitssektor näher beleuchten.

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