Will man von Fürth nach Seattle, muss man um die halbe Welt. Ein Besuch lohnt gleichwohl. 1994 wurde in Seattle Amazon gegründet, 15 Jahre später reichte das Fürther Versandhaus Quelle Insolvenzantrag ein. Wer die Wirkung disruptiver Technologien besichtigen will, dem sei diese Reise ans Herz gelegt.
Jene Branchen, die sich heute als Content-Anbieter verstehen - also Verlage, Autoren, Musiker, Filmindustrie, Künstler – sehen sich Entwicklungen gegenüber, deren dramatisches Potential in nichts zurücksteht. Und auch hier sei ein Blick in die USA empfohlen. Dort misst man Umsatzrekorde bei E-Books, die inzwischen an gedruckten Büchern vorbeigezogen sind. Man fühlt das Zeitungssterben und begleitet das Ende der Videotheken. Man erfährt gleichzeitig, dass viele bekannte US-Künstler heute mehr Umsatz mit Live-Konzerten als mit Musikverkäufen machen. Man erlebt, dass mit Computerspielen höhere Einnahmen erzielt werden, als mit Kinofilmen. Und: Man sieht eine Jugend, die sich vom Schwarz-Kopieren weitgehend verabschiedet hat und Musik überwiegend per – legalem - Streaming hört.
Zurück in Deutschland wird man von einer Urheberrechtsdebatte überrollt, die vieles von dem schlichtweg ignoriert. Auf der einen Seite werden verzweifelte Abwehrschlachten gekämpft, auf der anderen Seite wird „Freibier für alle“ gefordert. Zwei Kulturen prallen aufeinander. Vertreter der Analogwelt, die unvermittelt feststellen, dass ihre bisherigen Geschäftsmodelle durch das Internet in Schutt und Asche gelegt werden und nun retten wollen, was irgendwie noch zu retten ist. Und Millionen Webnutzer, die unter dem Rubrum „Freiheit des Internet“ freien – in ihrem Verständnis kostenlosen – Zugang zu allen digitalen Inhalten fordern: Text, Musik, Film, Spiele, Software.
Diese beiden Welten scheinen unvereinbar, und doch dürfte sich eine Brücke schlagen lassen. Die digitale Gesellschaft ist nicht länger eigentums-, sie ist nutzenorientiert. Die Nachfolger der Napster-Generation wollen keine Musikdateien besitzen und erst recht keine CDs, sie wollen Musik hören, einen Film sehen, einen Text lesen. Dies führt viele der aktuellen Diskussionen ad absurdum. Welchen Sinn macht es beispielsweise, über ein Recht auf Privatkopie zu diskutieren, wenn Privatkopien bestenfalls als Nischenphänomen fortexistieren werden?
Im BITKOM sitzen Technologielieferanten, Netzbetreiber, Online-Dienste und Content-Anbieter gemeinsam am Tisch. Und so werden wir uns als BITKOM bemühen, den dringend notwendigen Brückenschlag zu organisieren. Unsere richtungweisende Vereinbarung mit der Gema zu Streaming-Diensten war ein erster Schritt, weitere sollen folgen.

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